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Kann der Bauch denken oder fühlen? |
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Geschrieben von Eberhard Büssem, Modern Times
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Sonntag, 19. Februar 2006 |
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Seite 1 von 2 Der Volksmund wusste es schon immer: Man entscheidet mit dem Bauch. Aber kann der Bauch denken, oder fühlen? Dem sind Forscher in aller Welt auf der Spur. Wissenschaftler in Hannover stellen nun erste Ergebnisse vor - zum Darm, dem "zweiten Gehirn" des Körpers.
Äußerlich und innerlich sehen Gehirn und Darmtrakt fast gleich aus, das wissen Anatomen seit langem. Mittlerweile haben Wissenschaftler erforscht, dass der Darm ähnlich wie ein zweites Gehirn funktioniert, nur denken kann er nicht.
Das darmeigene Nervensystem arbeitet aber selbstständig. Schneidet man etwa das Darmstück eines Versuchstieres heraus und hält es in einer Nährlösung funktionsfähig, so arbeitetet das Nerventeil des darmeigenen Nervensystems mit den 100 Millionen verschalteten Nervenzellen unbeirrt weiter und transportiert den Darminhalt immer in Richtung des Darmausgangs. Die Nervenzellen lösen die Muskelbewegung der Peristaltik aus, und sie beherrschen und steuern wie ein zweites Gehirn den gesamten Verdauungsprozess.
Forscher suchen nach dem Bauchhirn Wissenschaftler wie in der Tiermedizinischen Hochschule Hannover wollen nun die letzten Geheimnisse des Darms erforschen. Sie stimulieren lebende Nervenzellen mit Strom und chemischen Stoffen. Das "Bauchhirn" kann auch Erinnerungen speichern, verwendet die gleichen Botenstoffe wie das Kopfhirn und steht mit diesem in dauernder Verbindung, so die Feststellung der Forscher. Was aber unterscheidet das Bauchhirn vom Kopfhirn?  Das zweite Gehirn befindet sich im Bauch
"Das Bauchhirn kann genau das machen, was das Kopfgehirn auch machen kann, verfügt also über all die Zellen, die auch im Kopf eben eigenständige Tätigkeit sicher stellen", erklärt Michael Schemann von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. "Dieses Nervensystem hat also Nervenzellen, die etwas aufnehmen können, auf etwas reagieren können, etwas wahrnehmen können. Es hat Nervenzellen, die diese Informationen verarbeiten und es hat Nervenzellen, die dann im Endeffekt die Muskulatur aktivieren oder eben hemmen." Die Empfindungen und Reaktionen des Bauchhirns werden permanent mit einer Art Standleitung zu 90 Prozent ins Kopfhirn gemeldet und dort in einem bestimmten Bereich gespeichert und ausgewertet. Der Informationsaustausch vom Kopfhirn Richtung Bauch ist dagegen sehr gering, nur zehn Prozent.
Baby lernt mit dem Bauch Menschen werden mit Nervenzellen in Kopf und Bauch geboren, diese entwickeln sich dann in einem raschen Lernprozess. Doch die ersten elementaren Lebensäußerungen spielen sich im Bauch ab: Das Hungergefühl löst kräftiges Schreien aus. Das Stillen des Hungers führt wiederum zum Wohlbefinden. Ganz ähnlich verhält es sich mit Emotionen wie etwa Angst. Auch sie spüren wir im Bauch. Sie signalisieren uns Gefahr und mobilisieren Bauch und Hirn, um Lösungen zu finden. Denken tut der Bauch nicht, aber er fühlt und erinnert sich. Die Kommunikation mit dem Kopfhirn festigt dann die Erfahrung wie Hunger gestillt oder Angst überwunden werden kann.
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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 22. Februar 2006 )
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