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In Kontakt mit dem eigenen Körper |
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Geschrieben von Dr. Jörg Bockow
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Montag, 6. März 2006 |
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Seite 1 von 2 Die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Gerda Boyesen (1922 in Bergen, Norwegen geboren und am 29. Dezember 2005 in London gestorben) hat in den 60er Jahren mit der Biodynamischen Psychologie Grundlagen für eine neuartige körperbezogene Psychotherapie entwickelt.
Neben berühmten und schulbildenden Kollegen wie Carl Rogers, Karlfried Graf Dürckheim, Alexander Lowen, John Pierrakos, David Boadella, Horst Eberhard Richter, Fritz Perls, Ruth Cohn und Virginia Satir gehört sie damit weltweit zu anerkannten Leitfiguren der modernen Psychotherapie. Die von ihr begründete Biodynamische Psychotherapie gilt – je nach Ansatz und Perspektive – als bedeutungsvolle Ergänzung, Weiterentwicklung oder auch als Alternative zu Techniken und Methoden der klassischen psychotherapeutischen Schulen. Ihren theoretischen und methodischen Hintergrund bildeten die frühen Libidotheorien Sigmund Freuds, die Jungsche Tiefenpsychologie, die Reichsche Orgonomie und Vegetotherapie sowie die dynamische Physiotherapie nach Aadel Bülow-Hansen. Die Vegetotherapie nach Wilhelm Reich hat Gerda Boyesen sowohl als Klientin und später auch als Schülerin bei dem Reich-Schüler Ola Raknes kennen gelernt. Sie war in den 60er Jahren eine der ersten Reichschen Körpertherapeuten in London und hat ihre Form der Vegetotherapie als integralen Bestandteil ihrer Behandlungsform der Nachwelt überliefert. Körperarbeit hat Gerda Boyesen durch eine physiotherapeutische Ausbildung in der Psychiatrischen Klinik (Ulleval Klinik, Oslo) bei Bülow-Hansen, einer Schülerin von Trygve Braatöy erlernt. Ihrem Selbstverständnis nach versöhnt die Biodynamische Psychologie die scheinbar gegensätzlichen Paradigmen der von Sigmund Freud begründeten Seelenlehre und der von Wilhelm Reich entwickelten körperbezogenen Charakteranalyse. Die Psychologin Gerda Boyesen ist eine der ersten Körperpsychotherapeuten, die davon überzeugt ist, dass die Seele ohne ihre körperliche Verwurzelung nicht angemessen verstanden werden kann. In ihrer therapeutischen Arbeit vertraut sie – übrigens anfänglich noch weitgehend unabhängig und unbeeinflusst von den Ansätzen der Humanistischen Psychologie – auf die Selbstheilungskräfte des Menschen, die auf Homöostase gründet. Nach ihr wirken im Menschen sowohl selbstheilende Fähigkeiten des Organismus, als auch die selbstregulativen Funktionen der Psyche, die durch die Unterstützung eines erfahrenen und einfühlsamen Therapeuten zu einer Lösung seelischer Konflikte und zu körperlich-seelischer Entspannung führen. Bei der Biodynamischen Psychotherapie nach Gerda Boyesen handelt es sich um ein wissenschaftlich anerkanntes, nicht provozierendes, tiefenpsychologisch orientiertes Verfahren. Die Therapie ermöglicht über den Körperkontakt (Psychodynamische Massage, Deep-Draining etc.) einen Zugang zu tieferen zum Teil verschütteten Schichten der Persönlichkeit. „Dabei wird die Massage zum analytischen Prozess“, erklärt Gerda Boyesen. Frühe Verletzungen aus der vorsprachlichen Entwicklungszeit können dabei sanft und gänzlich „schmerzfrei“ offengelegt und anschließend abgearbeitet werden. Ziel ist es, den organischen Kreislauf wieder in Gang zu setzen. Der Patient soll, nach den Vorstellungen Gerda Boyesens, wieder in „Kontakt zu seinem Körper kommen“ und im ungehinderten Fluss seiner Libido-Energien das Gefühl von Glück und Lebensfreude erleben dürfen. Hinter all dem steht die von Freud inspirierte und gleichzeitig transformierte metaphysische Vorstellung, dass ein Mensch, der mit sich im Reinen ist, anknüpft an die kindliche Identität, die „in Kontakt mit dem Ozean der kosmischen Energie“ steht. Der ungehinderte „Strom der libidinösen Energie“ lässt im Menschen „das unabhängige Wohlbefinden zu“, sagt Gerda Boyesen und „bringt zum Vorschein, was ich die ‚ewigen Werte’ nenne, nämlich Geduld, universelle Liebe und Mitgefühl. Menschen im Libido-Fluss sind in der Lage, eng und harmonisch zusammenzuarbeiten“ und in harmonischen Beziehungen zu leben. Von großer Bedeutung ist die wohlwollende und positive Grundeinstellung des Therapeuten zum Thema Widerstand. Widerstand wird als „schützend“ anerkannt. Auch das unterscheidet die Biodynamische Körperpsychotherapie von anderen psychotherapeutischen Verfahren. Die direkte Körperarbeit durch sachte Berührungen oder auch durch gezielte in die Tiefe der Muskulatur gehende, auf den „Muskelpanzer“ gerichtete Massagen geht Hand in Hand mit der Arbeit an der psychischen Disposition.
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 10. März 2006 )
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