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Seite 1 von 2  Holonkoerper Die holistische Sicht auf das Leben und die Welt wird zusehends zu einer bestimmenden kulturellen Kraft. Doch kann man deshalb bereits von einer gesellschaftlichen, zunehmend auch politisch wirksamen Bewegung sprechen? Der englische Politikwissen-schaftler William Bloom ist durchaus dieser Meinung und schlägt als Sammelbegriff für die vielen, in Richtung Ganzheit tendierenden Strömungen das Wort „Holismus“ vor. Er warnt vor der Gefahr des Fundamentalismus, die jeder Bewegung innewohnt, und sieht Chancen für den Holismus, sich eben dieser Gefahr rechtzeitig bewusst zu werden.
Kann man Teil einer gesunden und stimmigen spirituellen Bewegung sein und dabei die schlimmen Folgen religiöser und ideologischer Ausschließlichkeit vermeiden?
Der holistische Ansatz – unter welchem Namen er im jeweiligen Kontext auch immer auftritt – wird zunehmend zu einer bestimmenden kulturellen Kraft. Es gibt substanzielle und wissenschaftlich fundierte Hinweise dafür, dass der Großteil der Bevölkerung der westlichen, demokratischen Industrienationen allmählich eine holistische Weltsicht annimmt. Die Menschen wenden sich in Massen von traditionellen Glaubenssystemen ab und entwickeln eine weitere, umfassendere Einstellung zu den bedeutenden Fragen des Lebens. Mitten in dem fürchterlichen Materialismus der Globalisierung gibt es da diese andere kulturelle Dynamik des „globalen Dorfs“. Diese Menschen lassen ihre konfessionellen Beschränkungen und auf Abgrenzung bedachten Glaubenssysteme hinter sich. Sie entwickeln eine neue Perspektive, in der es vielerlei Zugänge zu Spiritualität und zur Bedeutung des Lebens gibt und in der alles miteinander verbunden und voneinander abhängig ist.
Diese Haltung schlägt sich bereits in staatlichen Lehrplänen, in der komplementären Gesundheitsversorgung und nicht zuletzt auch in den Massenmedien nieder. In Norwegen wurde dem Holismus sogar bereits der Status einer offiziellen Glaubensrichtung bzw. einer offiziellen Weltanschauung zuerkannt. Solche Nachrichten sind wichtig für uns, denn in der Regel erfährt man nur von den negativen Ereignissen im Weltgeschehen. Der substanzielle kulturelle Wandel und das ungeheure Potenzial an Verbündeten, das hier zu finden ist, entgeht den meisten.
Diese heterogene Bewegung existiert aber tatsächlich. Sie ist vermutlich deshalb relativ unbemerkt geblieben, weil ihr eine einheitliche Stimme fehlt. Genau das aber würde sie verdienen, und vielleicht ist es deshalb keine schlechte Idee, die Bewegung „Holismus“ zu nennen.
Holismus beschreibt eine Haltung, in der wir uns mit offenem Herzen und wachem Geist der Bedeutung und dem Sinn des Lebens zuwenden und anerkennen, dass alles Leben heilig und miteinander verbunden ist, dass alles im Wachstum begriffen ist, hin zur Entfaltung seines vollen Potenzials. Holismus ist ein gutes Wort und ein großartiges Konzept für die moderne Welt. Ursprünglich im Jahr 1926 von dem Staatsmann und Naturkundler Jan Smuts geprägt, wird der Begriff heute bereits viel in Zusammenhängen verwendet, wenn es um die Entwicklung einer humaneren und stimmigeren Medizin, Bildung und Politik geht.
Holismus umfasst unsere tiefsten spirituellen Impulse: ein erfülltes und vollständiges menschliches Wesen zu werden, in gesunden und harmonischen Gemeinschaften zu leben – lokal wie global, alle Dimensionen des Lebens zu integrieren und zu pflegen und ...
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